Der naturnahe Garten

Die schon erwähnte Mulchschicht versorgt den Boden mit Humus und Nährstoffen. Noch zu wenig bekannt ist, dass auch das herbstliche Falllaub in ähnlicher Weise verwendet werden kann. Auch im Winter sollte der Boden nicht offen liegen. Falllaub kann hier als „Flächen-kompostierung“ aufgebracht werden. Bis zum Frühjahr ist das Laub teilweise verrottet und zu einer kompakten Schicht zusammengefallen. Wer die Möglichkeit dazu hat, legt das Laub nun nicht auf dem Komposthaufen ab, sondern kompostiert es separat. Nach spätestens zwei weiteren Jahren ist daraus ein hervorragender Humus gereift, den man mit etwas Bentonit oder Gesteinsmehl zu einer Super-Blumenerde veredeln kann. Weit besser als jedes Torf-Kul-tursubstrat, das man aus Umweltschutz-Gründen ohnehin nicht verwenden sollte. Einige wenige Sorten von Laub sind nicht zur Kompostierung geeignet, weil sie Wuchs-hemmstoffe enthalten, die den Boden unfruchtbar machen. Hierzu zählen alle Arten von Eichen, Schwarzerlen, Rosskastanie und Nussbaum. Gut geeignet sind Ahorn, Linde, Pappel und alle Arten von Obstbäumen. Hervorragend sind Esche und Ulme – aber wer hat schon diese Bäume im Garten? Die Nadeln der Lärchen bilden einen milden Rohhumus, der als Torf-Ersatz für Moorbeet-Pflanzen geeignet ist. Ansonsten kann man den Weihnachtsbaum und Deckgrün-Nadelzweige häckseln und unter Moorbeet-Pflanzen ausbringen. Sie verrotten zu einem sauren Moderhumus, der allen Moorbeet-Pflanzen bestens bekommt. Das schlechteste, was man mit Falllaub und organischen Garten-Abfällen machen kann, ist das Abbrennen. Hier geht wertvoller Humus in beißenden Qualm auf – das muss doch nicht sein! Kompost ist ein recht guter Dünger. Er enthält nicht nur die nötigen Nährstoffe, sondern auch sekundäre Huminstoffe und Spurenelemente, die für ein gesundes Wachstum besonders wichtig sind. Für einige besonders anspruchsvolle Pflanzen reicht der Nährstoffgehalt des Komposts aber nicht aus. Dann muss zusätzlich gedüngt werden. Mineraldünger sollte man nicht gemäß Anweisung ausstreuen, sondern besser in Wasser auflösen und dann punktuell nur unter den betreffenden Pflanzen ausbringen. Durch diese unmittelbare Direkt-Düngung kann die Aufwands-Menge um ca. 30% verringert werden. Wer mit Mist düngen möchte, sollte diesen mindestens 1Jahr ablagern. Frischer Mist ist für nahezu jede Pflanze schädlich. Bei jeder Art von Düngung sollte der Grundsatz gelten >so wenig wie möglich, so viel wie nötig<. Abgeschwemmter Dünger belastet unser Grundwasser und eutrophiert unsere Umwelt.
Anders als im typischen Kulturgarten kommen in einem naturnahen Garten die Gesetze der Natur-Kreisläufe zur Wirkung.
Im Idealfall kommt der Garten ohne größere Stoff-Einträge aus, was aber eher selten gelingt. Nachfolgend die einzelnen Aspekte, die für einen natur-nahen Garten charakteristisch sind:
Bodenbedeckung
Im naturnahen Garten gibt es keinen kahlen Boden. Während im Ziergarten niedrige Boden-decker zwischen den größeren Stauden für einen vollflächigen Bewuchs sorgen, kommt im Nutzgarten Mulch zum Einsatz. Die mindestens 10cm hohe Schicht aus zerkleinertem organischen Material verhindert das Aufkommen unerwünschter Unkräuter, reduziert die Austrocknung des Bodens, erleichtert die Wasser-Aufnahme und –Speicherung sowie die Bereitstellung von Nährstoffen durch Humus-Anreicherung. Hacken und Jäten kann der Gärtner sich hier sparen und auch das Wässern gelingt leichter, weil das Wasser nicht davon rinnt. Das Mulchmaterial muss man nicht kaufen. Vielmehr wird es selbst hergestellt, aus anfallenden Resten, die der Garten selbst abwirft. Typisch sind Baum- und Strauchschnitt, abgeblühte Strunken von Blumen und Stauden sowie Strunken aus dem Gemüsegarten, z.B. die Strunken von Rosenkohl. Benötigt wird dafür allerdings ein Garten-Häcksler, und zwar einer mit Grob-Häckselung. Fein gehäckseltes Material schimmelt und verklebt und eignet sich deshalb nicht zum Mulchen. Ideal sind Fräswalzen-Häcksler, die zudem besonders leise uns sicher laufen.
Wiese oder Rasen?
Natur-Wiesen eignen sich für solche Gärten, in denen für die Wiese eine Fläche von mindestens 200m² zur Verfügung steht. Das hohe Gras mit eingestreuten Kräutern ist sicher nicht jedermanns Sache, aber ökologisch wesentlich wertvoller als ein gepflegter Rasen.
Um nicht im „Storchenschritt“ durch die Wiese stelzen zu müssen, können Wege hinein gemäht werden. Dafür benötigt man eine Sense oder einen Kugelmäher. Ideal ist natürlich die Handmahd, aber wer kann heute noch mit einer Sense umgehen…? Leichter geht es mit einer Motorsense. Bei sehr großen Wiesen (über 2000m²) empfiehlt sich der Einsatz eines Kugelmähers mit großem Schnittkreis und starkem 4-Takt-Motor. Der finanzielle Aufwand für solch eine Maschine ist allerdings recht erheblich.

Abgemäht wird die Wiese im Gegensatz zum Rasen höchstens 2mal jährlich. Wer ein feuchtes Grundstück besitzt, kann erleben, wie die Wiese durch neu hinzukommende Kräuter von Jahr zu Jahr immer prachtvoller und interessanter wird. Ähnliches gilt auch für trockene Grundstücke, wenn der Boden zugleich mager ist. Rasendünger, Moosvernichter und ähnliche Zusätze haben auf einer Wiese nichts zu suchen! Eine besonders attraktive Variante für große Grundstücke ist die Kombination von Wiese und Rasen, durch schwungvolle Linienführung miteinander verbunden. Das sieht wirklich edel aus.
Pflanzenauswahl im Ziergarten
Niemandem soll auferlegt werden, sich ganz auf einheimische Pflanzen zu beschränken. Jedoch sollten sie einen erheblichen Anteil ausmachen. Einheimische Wildpflanzen oder alt-bewährte Kultursorten aus ihnen haben den hochgezüchteten „Kulturblumen“ einiges voraus: sie gedeihen sicher und gesund, vermehren sich oftmals ohne Zutun des Gärtners und haben „Wildadel“. Die Gartenbranche hat den Trend zu Wildpflanzen erkannt und hält ein entsprechendes Angebot bereit. Wer sich einmal mit den pflegeleichten und schönen Wildblumen angefreundet hat, will keine Hochzüchtungen mehr. Achten sollte man jedoch auf die Herkunft: vornehmlich ausländische Raritäten-Gärtnereien beziehen ihre Ware direkt aus der Natur, mitunter werden ganze Naturschutzgebiete über Nacht regelrecht ausgeplündert! Das ist absolut nicht in Ordnung!
Verzichten sollte man insbesondere auf Orchideen im Garten. Die Pollen dieser Orchideen werden auf wildwachsende Bestände übertragen und führen zu einer genetischen Verfälschung der Wildbestände. So ist schon jetzt viel Schaden a ngerichtet worden und einige Wildbestände haben ihre Lebenskraft eingebüßt. Sie sterben in der Folge ab.
Tiere im Garten
In einen naturnahen Garten kommen die Tiere von selbst. Wenn die Verhältnisse „stimmen“, kommen Lurche, Reptilien und natürlich auch Vögel aus der Nachbarschaft zu Ihnen.
Wichtig ist, dass sie alle irgendwo Unterschlupf finden. Jeder Garten sollte eine „vergam-melte Rümpelecke“ haben. Ein paar unsauber aufgeschichtete Steine, etwas ungeschredderter Baumschnitt und ein paar faulige Bretter – das reicht oftmals schon. Hier verkriechen sich tagsüber Kröten und Molche, eventuell auch Igel. Des Nachts schwärmen sie aus und vertil-gen Schädlinge, sehr zum Nutzen des Gartens. Wunder allerdings darf man nicht erwarten. Voll ausgewachsene Nacktschnecken vermag keine noch so fette Kröte vom Untergrund zu lösen und auch gegen Wühlmäuse gibt es kein Patentrezept. Falls ein Gartenteich vorhanden ist, so darf er nicht zur Fallgrube für Kleintiere werden. Selbst Frösche können ertrinken, wenn der glatte Rand ihnen den Ausstieg unmöglich macht. Abhilfe ist meist ohne großen Aufwand zu schaffen. Ein paar bis nahe zur Wasseroberfläche aufgestapelte Steine können an steilwandigen Stellen einen Ausstieg bilden. Wenn das nicht geht, kann man eine alte Wurzel oder einen Ast am Rand anbinden, so dass er nicht untergeht. Eine mehr technische Variante sind die sogenannten Lurchretter, genoppte Gummimatten für den Teichrand. Nistkästen im Garten gibt es für verschiedene Vögel. Besonders beliebt sind Starkästen, weil das „einheimische“ Starenpaar weniger Kirschen vertilgt als ein ganzer Schwarm, jeden fremden Star aber fernhält.
Wer eine ganz ruhige Stelle im Garten hat, kann einen Fledermaus-Kasten aufhängen. Die Aussichten auf erfolgreiche Besiedlung sind zwar nicht so gut wie bei den Vögeln, aber hier ist jeder Erfolg doppelt wertvoll!
Fruchtbarkeit und Boden-Verbesserung
Pflanzenschutz ist ein notwendiges Übel im Garten, das man so weit wie nur irgendwie möglich einschränken sollte. Unmissverständlich sollte klar sein, dass nicht immer und überall alles möglich ist. Wühlmäuse sind völlig zu recht ein Albtraum für jeden Gärtner. Egal mit welchen Waffen man gegen sie vorgeht, stets lichtet man bestenfalls nur ihre Reihen. Letztendlich triumphieren immer die Wühlmäuse. Unter diesen Umständen Wurzelgemüse anbauen zu wollen, ist töricht. Darauf muss dann eben verzichtet werden. Im Ziergarten bringen manche Pflanzen ihren Pflanzenschutz gleich mit, nämlich die giftigen. Es ist kein Zufall, dass gerade die Giftpflanzen aufs prächtigste gedeihen, während andere Pflanzen von Schädlingen befallen werden und schließlich verkümmern. Da die Anzahl giftiger Zierpflanzen groß ist, kann man nur mit Giftpflanzen viele Gestaltungs-Ideen verwirklichen. Allerdings ist das eine Gefahr, wenn kleine Kinder im Garten spielen. Loten sie aus, was geht und was nicht. Im naturnahen Garten wird kein Riesen-Aufwand betrieben, um irgendetwas Bestimmtes unbedingt zu verwirklichen. Vielmehr ist der naturnahe Garten von wenig Aufwand charakterisiert, gewissermaßen für faule Gärtner. Unabdingbar ist jedoch eine perfekte Planung, hinter der auch einiges Fachwissen stehen sollte.
   
Was man noch beachten sollte
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